Das Komische an der Produktivität

Anstoß dieses Blog Eintrags war einmal mehr ein hervorragender (weil auf den Punkt gebrachter) Blogeintrag von Scott Hanselman: http://www.hanselman.com/blog/ProductivityVsGuiltAndSelfLoathing.aspx

Die Tipps aus dem Absatz “Measure, then Cut”, kannte ich schon und habe vor einigen Monaten Rescue Time auf meinem Arbeitsrechner installiert. Inzwischen denke ich relativ representative Ergebnisse zu haben, die ich aber diese Woche zum ersten Mal ausgewertet habe. Der Grund warum ich noch nicht früher Auswertungen gefahren habe, war Angst vor den Ergebnissen. Immer wieder ertappe ich mich selbst auf facebook, Spiegel Online oder bei anderen Dingen, die ehr der Zerstreuung dienen. Desto mehr haben mich die Ergebnisse überrascht:

Ich meine 68% produktive Zeit ist viel mehr als was ich erwartet hätte.

Entscheidend ist natürlich wie viel Zeit ich mit was verbracht habe:

Wie man sieht kommt bereits an zweiter Stelle E-Mail! Das überrascht mich auf zwei unterschiedliche Weisen:

  1. Das E-Mail so einen großen Platz in meinem Arbeitsleben einnimmt
  2. Habe ich E-Mail als neutral eingestuft. Somit zählt es nicht auf mein Produktivitätskonto ein.

Aggregiert nach Sehr produktiv, produktiv, neutral, störend und sehr störend schaut die Verteilung folgendermaßen aus:Zeit nach Produktivitätskategorien

Very productive sind für mich die Dinge, die direkt mit meinem Jobprofil zu tun haben: Also Software Entwicklung und System Operations. Alles andere habe ich “nach bestem Gewissen” klassifiziert.

Wieder fällt der große neutrale Block ins Auge, was zum Großteil eben E-Mail ist. Zum anderen, dass sich Very Distracting mit Productive etwa die Waage hält. Also wenn ich Zerstreuung suche, dann richtig (Facebook, Spiegel Online) und nicht technische News Seiten wie Heise.de, Winfuture, etc. die ich als Distracting gekennzeichnet habe.

Was lernen wir daraus?

Offensichtlich ist, dass ich zu viel Zeit mit E-Mails verbringe und genauere darauf achten sollte ob diese Zeit tatsächlich notwendig ist.
Viel wichtiger für mich als Menschen ist aber die Erkenntnis, dass ich mich nicht schuldig fühlen brauche weil ich mal Zerstreuung. Offensichtlich scheint die Menge noch im Rahmen zu sein. Ein Großteil der Very Distracting Zeit ist sicherlich auch in der Mittagspause oder nach Feierabend entstanden (RescueTime hat keine Anbindung an Toggle, welches ich als Timetracking Tool verwende).

Ich habe noch viel weiter kleinere Erkenntnisse gewonnen. Zum Beispiel, dass ich heraus finden sollte warum ich Nachmittags produktiver als Vormittags bin (E-Mail?). Ich habe jetzt die Bestätigung Montags deutlich produktiver zu sein als Freitags. Und: Ich verbringe durchschnittlich nur etwa 3 1/2 Stunden am Tag an meinem Rechner. Wobei dies natürlich auch dem geschuldet ist, dass es Teil meines Jobs ist zu Kollegen zu gehen und mit ihnen Lösungen zu finden, bzw. PairProgramming bei der Software Entwicklung.

Jedenfalls kann ich nur jedem der sein “Getting Things done” verbessern möchte, empfehlen dieses oder ähnliche Tools zu installieren. Man kann auch seine Selbstverbesserung noch optimieren, indem man weiß wo es am meisten Zwickt! Vor allem aber sollten man sich keinesfalls selbst schuldig fühlen weil man das Gefühl hat selbst nicht produktiv zu sein. Oder zumindest nicht so produktiv wie Andere. Jeder Mensch nimmt sich regelmäßig zu viel vor und muss Deadlines verschieben oder Dinge komplett sein lassen. Überstunden zu schieben oder sich selbst Vorwürfe zu machen bewirken nur, dass man noch unproduktiver wird, weil man nicht klar im Kopf ist!