Top Athleten und Sänger haben Coaches! Warum ich nicht?

Ich habe bei “The New Yorker” einen tollen Artikel gelesen, der mich sehr inspiriert hat: Link

In dem Artikel erzählt ein Arzt von seinem Problem, dass er irgendwann unfreiwillig aufgehört hat besser zu werden. Am Beginn seiner Kariere hat er noch große Fortschritte gemacht. Die Zahl an Komplikationen nach OPs sank sehr rapide. Dann langsamer, bis er schließlich stagnierte. Die Zahl der Komplikationen, waren verglichen mit denen seiner Kollegen mittelmäßig. Er wusste also, dass noch Verbesserungspotential da ist, nur nicht wie er sich verbessern könnte. Es existierten eine Art “Blinde Stellen”, in der man seine eigenen Fehler einfach nicht erkennt.


Der Autor schreibt, dass sich der Arzt viele Gedanken gemacht hat, wie er diese blinde Stellen ausmerzen kann um endlich wieder Fortschritte zu machen. Wenn man auf Probleme stößt, die man einfach nicht lösen kann, hilft es meist über den Tellerrand hinaus zu sehen. Haben andere Menschen diese Probleme auch? Welche Problemlösungsansätze funktionieren wo anders und lassen sich auch hier anwenden? Der Arzt hat erkannt, dass es bei Sportlern ganz natürlich ist einen Coach zu haben. Wenn diese Sportler an ihre Leistungsgrenze kommen, erstellt ein Coach ein anderes Trainingsprogramm, dass die Leistungsgrenze wieder ein Stück nach oben schiebt. Das gleiche ist bei Sängern. Wenn man selber singt, hört man etwas ganz anderes, als die Person die vor einem steht. Hier entstehen sehr oft diese blinden Flecken, in denen der Akteur seine eigenen Fehler nicht erkennt bzw. gar nicht erkennen kann. Hier hilft der Coach als Außenstehender eine andere Sichtweiße zu representieren.

Klingt also vielversprechend! Wenn man sich das Thema genauer ansieht, findet man Versuche von Lehrern, die andere Lehrer angestellt haben um sich coachen zu lassen. Die Ergebnisse sind beeindruckend! Ein Lehrer erzählt, dass er mit bestimmten Schülern einfach nicht zurecht gekommen ist. Ein anderer Lehrer hat sich für ein paar Stunden mit in die Klasse gesetzt und die Situation beobachtet. Er konnte ein paar gute Denkanstöße geben mit dem Ergebnis, dass der Klassenlehrer gelernt hat mit den Schülern umzugehen.

Ein Coach ist aber im Normalfall kein Lehrer! Ein Lehrer hat das Ziel den Lernenden etwas beizubringen, so dass diese das Gelernte am Schluss selbstständig anwenden können. Der Prozess hat also ein genau spezifiziertes Ende. Ein Coach ist dazu da etwas zu verbessern. Das kann ein immer fortwährender Prozess sein, der niemals endet. So unterscheidet sich auch die Art wie ein Lehrer und wie ein Coach interagieren. Ein Lehrer macht etwas vor, erklärt und lässt dies reproduzieren. Ein Coach analysiert, kritisiert und überprüft.


Zurück zu dem Artikel mit dem Arzt. Der Arzt hat einen im Ruhestand befindlichen Kollegen gebeten, bei ein paar OPs mit zu zu sehen und danach Tips zu geben. Der Coach hat überraschenderweiße kaum fachliche Dinge kritisiert, ehr “Stell dich mal anders hin, damit dir dein Assistent besser helfen kann” und “Achte darauf, dass das Licht immer optimal ist”. Das Ergebnis war, dass seine Komplikationsrate wieder begann zu fallen und sie sich der Arzt jetzt 2-3 Tage im Monat coachen lässt.
Ich denke das Beispiel zeigt eindrucksvoll wie gut sich Coaching auch auf andere Bereiche einsetzen lässt. Vor allem in der IT Branche in der es wie nirgends anders auf den Menschen ankommt, der den Computer bedient, ist das Konzept sehr gut anwendbar.

Platforms, Platforms, Platforms, Platforms, Platforms, …!


Der Titel soll eine Anspielung auf Steve Ballmers Rede zu “Developers” sein: http://www.youtube.com/watch?v=8To-6VIJZRE

Tatsächlich ist das was ich ausdrücken möchte sehr ähnlich dem, was Herr Ballmer mit seiner Rede bezwecken wollte. Schon 2006 wusste Microsoft, dass es unmöglich ist, alle Features, Programme, Ideen, … selbst zu entwickeln. Nur wenn sehr viele schlaue Köpfe an Puzzleteilen arbeiten entsteht am Schluss ein großes Ganzes. Die Zeiten sind vorbei in denen eine Firma ein Produkt auf den Markt wirft und ohne fremdes zutun langfristig erfolgreich wird. Wäre das IPhone so erfolgreich gewesen, gäbe es nicht so viele Apps dafür? Warum ist Windows immer noch erfolgreicher als Mac, obwohl MacOS die bessere Usability hat und günstiger ist? Warum ist Amazon (der als langweiliger Bücher-Onlineshop gestartet ist) so erfolgreich?

Ein hoch aktuelles Beispiel ist Google+ mit dem Google sehr ambitioniert in den Markt gedrungen ist, mit dem Ziel Facebook das Wasser abzugraben. Google ist ein Branchenriese, hat viel Geld in die Hand genommen, Innovative neue Features gebracht und hat definitiv das Potential Facebook gefährlich zu werden. Die ersten Fachartikel und Benutzerfeedbacks waren durch die Bank sehr gut. Es stand im Grunde fest, dass Google Facebook auf Augenhöhe begegnet. Fragt man jetzt, einige Monate nach dem Release, Benutzer und Beobachter, sieht die Sache überraschenderwei

se komplett anders aus. Die Leute sind gelangweilt von Google+. Nur wenige Leute können tatsächlich in Worte fassen warum Facebook besser ist.

Dabei ist der Grund ganz einfach. Facebook ist überall und alles ist in Facebook. Fast an jeder Ecke im Netz  gibt es “Gefällt mir” Buttons. Es gibt Webseiten die auf Facebook gehostet sind. Die ganzen Spiele á là Mafia Wars führen dazu, dass Benutzer nur aus diesem Grund mehrmals am Tag auf Facebook gehen. Diese Spiele sind “time sinks” und haben im Grunde gar nichts mehr mit Facebook zu tun. Aber Facebook ermöglicht diese Spiele überhaupt erst! Weil Facebook eine Platform ist!


Was ist denn überhaupt eine Platform technisch gesehen? Warum gibt es Spiele auf Facebook aber nicht auf Google+? Stark abstrahiert, sind es Schnittstellen in denen Dritthersteller ihre Anwendungen/Plug-Ins integrieren können. Sagen zu können “Hier kannst du deine App hoch laden und dann läuft sie auf unserer Plattform” reicht aber bei weitem nicht! Im optimalsten Fall sollten alle Funktionen der Plattform auch den App Entwicklern zur Verfügung stehen und zwar in einer Qualität die über jeden Zweifel erhaben ist. Nicht frustiert (hobby-)Entwickler mehr als eine einschränkende und fehlerträchtige API. Die Entwickler sollen sich mit der Umsetzung ihrer Ideen beschäftigen, nicht damit Workarounds für Bugs zu finden.
In diesem Kontext hört man immer und immer wieder die selbe Phrase “Eat your own dogfood“. Nur wer die API die er bereit stellt auf für seine eigenen Funktionen benutzt, kann sicher sein, dass die Qualität ausreicht. Nur der kann herausfinden welche Funktionen in der API noch fehlen. Dort draußen gibt es genug APIs die nicht mal Hundefutter sind. Eine API muss Spaß machen dagegen zu programmieren. Genau das fördert auch das Ziel viele coole Apps zu bekommen. Es gibt genug Entwickler die Ideen haben aber nicht die Zeit sie umzusetzen. Für ein kleines Weekend Projekt reicht die Zeit aber meistens. Es ist also Aufgabe der API dafür zu sorgen, dass 90% der Apps in einem Wochenende umgesetzt werden können.

Meine persönliche Meinung, die ich mit immer mehr Leuten teile, ist eindeutig: Wer plant in Zukunft erfolgreich zu sein, sei es durch eine neue Anwendung oder eine bereits bestehende Anwendung (egal wie groß sie sein mag) wird nicht darum herum kommen eine Platform zu bereit zu stellen. Es reicht nicht mehr alle Features selbst zu entwickeln. Gleichzeitig sollte man es aber auch als Chance sehen: Neue Funktionen die einen Mehrwert für den Benutzer bieten, ständig neue Ideen auf die man selbst vermutlich nie gekommen wäre und das alles (fast) geschenkt!